Auszüge:
Knapp 60 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland
geschlachtet: betäubt, getötet und dann zu Kotelett, Schnitzel, Haxe
zerlegt.
59,3 Millionen Schweine werden jedes Jahr bei uns geschlachtet, die
meisten davon mit Hilfe eines Verfahrens, bei dem die Tiere zunächst mit
CO2 betäubt werden. An rund 300 Tagen im Jahr – sonntags stehen die
Förderbänder still – schicken Schlachtbetriebe, die diese Methode
verwenden, insgesamt etwa 40 Millionen Schweine in Metallkäfigen,
sogenannten Gondeln, in den Kohlendioxid-Schacht.
CO2-Methode: „Der Hauptvorteil liegt in einer effizienten
Gruppenbetäubung mit wenig Personaleinsatz. Die CO2-Betäubung steht in
der Kritik, weil die Betäubung nicht sofort eintritt und die Tiere bei
der Einleitung Atemnot-Symptome und ein starkes Abwehrverhalten zeigen.“
Was dort genau mit den Schweinen passiert, hat Prof. Klaus Troeger vom
Max-Rubner-Institut in Kulmbach 2012 – auf Tönnies’ Einladung übrigens –
untersucht: Nebeneinander werden die Tiere mit einem Schiebeschild über
die Breitseite in die Stahlgondel getrieben. Mehrere dieser
Metallkäfige laufen, wie in einem Paternoster an Ketten aufgehängt, im
Kreisverkehr. Die ganze Anlage wird „Backloader“ genannt. Während ein
Stahlkäfig auf der einen Seite mit bis zu acht Schweinen beladen werden
kann, sinkt eine andere Gondel etappenweise in den neun Meter tiefen
CO2-Schacht hinab.
„Wenn man sieht, was passiert, wenn die Tiere in den CO2-See eintauchen –
spätestens dann kommt bei vielen Leuten die Erkenntnis, dass man Tiere
so eigentlich nicht betäuben kann“.
„Sie strecken die Schnauzen nach oben,
zeigen Maulatmung, also typische Anzeichen eines Erstickungsgefühls,
und drängen nach oben.“ Es sei eng dort unten, und während es abwärts
gehe, werde die Luft immer knapper. „Die Tiere bekommen Angst, auch weil
das Gas in Verbindung mit Flüssigkeit zu einer schwachen Säure wird und
dann zusätzlich ihre Schleimhäute angreift“.
Panik äußert sich in schrillen Schreien.
„Erstickungsnot“ und „Todesängste“
Die vorgeschriebene Mindestaufenthaltsdauer im CO2-Schacht: 100
Sekunden; so ist es gesetzlich angeordnet, um sicherzustellen, dass die
Schweine möglichst tief und fest narkotisiert sind.
Dann taucht die
Gondel wieder auf und wirft die leblosen Körper auf das Förderband, wo
sie von einem Mitarbeiter erwartet werden. Möglichst zügig, damit sie
beim nächsten Arbeitsgang noch betäubt sind, werden sie an einem Fuß
angeschlungen, an einen Haken gehängt und in den Fließverkehr
eingereiht.
Der
gewollte Tod erfolgt dann durch Ausbluten.
Der nächste Mitarbeiter am
Band sticht mit einem Hohlmesser zu. Er muss direkt in die
Hauptschlagader treffen, damit das Blut gut fließt. Dieses läuft über
einen angeschlossenen Schlauch ab. Erst wenn es tot ist, darf das Tier
in die Brühung kommen, eine Art Schweinewaschanlage mit Wasser, das auf
62 Grad Celsius erhitzt ist.
Fließbandarbeit:
etwa alle fünf Sekunden ein Stich, ein Schwein, ein Stich, ein Schwein;
750 Tiere pro Band, 1450 bis 1500 Tiere pro Stunde. Eine recht blutige
Angelegenheit. Es ist eben ein Schlachtbetrieb, auch wenn er als einer
der modernsten in Europa gilt. „Wenn ein Arbeiter diese Hauptarterien
nicht richtig trifft oder ein Schwein vergisst, weil mal drei
übereinander hängen, dann fährt das Tier unter Umständen bei vollem
Bewusstsein in die heiße Brühe“, sagt Troeger besorgt. „Diese
Fehlentblutungen bei großen Betrieben sind ein Problem.“
Bei Tönnies wiegt eine Waage das Schwein automatisch vor und nach der
Entblutung. Wenn das Gerät keine sichere Entblutung registriert, zeigt
es das an; dann muss nachgestochen werden. Zusätzlich misst ein
Analysegerät die Blutmenge. Das sei aber nicht ganz sicher, sagt
Tönnies-Tierarzt Altemeier; deswegen habe man noch einen Mann dort
stehen, der bei jedem Tier den Cornealreflex prüfen soll. „Der
Mitarbeiter hat die Berechtigung, den roten Knopf zu drücken, um das
Band zu stoppen.“ Mit einem Bolzenschussgerät kann er dann dem Tier den
Rest geben. Dafür hat er aber nicht allzu viel Zeit, obwohl ein
Zeitpuffer eingebaut ist; das Band soll laufen wie eine Autobahn zur
Hauptreisezeit. Doch bei der hohen Umschlagsmenge bleiben ein paar
Stopps nicht aus: „Wir haben eine tägliche Haltequote, das kommt einfach
vor“, räumt Altemeier ein.
Im ungünstigsten Fall also könnten fünf Prozent der Tiere kurzfristig
aus der Ohnmacht vor dem Tod erwachen; theoretisch könnten sie dann
lebendig für vier Minuten in die 62 Grad heiße Brühe getaucht werden,
bevor sie danach in die Kratzmaschine kommen, wo die Borsten abgekratzt
werden. Dann folgt die Abflammanlage, um die restlichen Borsten
abzukriegen. „Die Schweine, die in der Brühanlage sterben, erleiden
einen Kreislaufzusammenbruch....